Was ist Storytelling?

Storytelling ist die Kunst des Erzählens. Geschichten sind so alt wie das Sprechen selbst. Seit wir Menschen kommunizieren können, haben wir Geschichten und Erzählungen genutzt, um unser Wissen weiter zu geben.

Der italienische Pädagoge Gianni Rodari nutzte Storytelling bereits in den 1960er Jahren als Fundament für das Grundschulklassen-Curriculum.

Die maßgeblichen Vorteile narrativer Methoden vor allem im Fremdsprachenunterricht wurden dann in den 70er Jahren entdeckt und entwickelten sich zum Trend. Hier boten Geschichten im Lehrbetrieb eine lebendige und interaktive Alternative zu Lückentexten und Karteikärtchen.

Die Storytelling Schools in Oxford, wo auch ich meine Qualifizierung als Didaktik Trainer für Storytelling erhielt, wenden das pädagodische Konezpt des „Talk for Writing“ (mündlich vor schriflich) an. Dieses geht auf Pie Corbett zurück.  Das Prinzip von  Talk for Writing  ist einfach: Kinder müssen das Sprechen beherrschen, um vernünftig und sinnvoll Schreiben zu können. Sprachkompetenz, also das Beherrschen der Sprache, wird am natürlichsten durch Geschichten und Dialoge vermittelt und verinnerlicht.

Die Storytelling Schools in England haben diese Philosophie in das gesamte Grundschulcurriculum integriert, Hier bilden Geschichten den Kern des fachübergreifenden und projektbezogenen Lernens. Das preisgekrönte Konzept hat sich jahrelang in unterschiedlichen Grundschularten bewährt, vor allem aber in benachteiligten und sprachheterogenen Lernzusammenhängen.

Ich möchte dazu beitragen, diesen erprobten und erfolgreichen Ansatz auch in Deutschland bekannter zu machen. Er bietet sowohl für Schüler als auch Lehrer ganz neue und spannende Ansätze, um den Unterricht bunter, spaßiger und gleichzeitig effektiver zu gestalten.

Sprache ist eines der wichtigsten Werkzeuge, das wir besitzen. In der Sprache liegt der Schlüssel nicht nur zur Kommunikation mit der Außenwelt, sondern auch zum Denken überhaupt.

Mit Storytelling können wir Kinder zu mehr Sprach- und Denkstärke verhelfen!

Alle Lerngruppen, auch in Schulen, bestehen aus Menschen mit diversen Lernstilen. Der klassische Frontalunterricht, wie wir ihn vor allem hier in Deutschland kennen, hilft nur einem kleinen Bruchteil von Kindern. Das Storytelling wählt einen Ansatz, der natürlich und lebendig ist und andere Unterrichtsformen ergänzen und bereichern kann.

Storytelling-Methoden sind beispielsweise sehr gut für multilinguale und inklusive Lernumfelder geeignet. Es unterstütz Kinder und Erwachsene dabei, sich mit Sprache anzufreunden und mit Freude auszudrücken.

Wer eine zusammenhängende Geschichte erzählen kann, kann auch sinnvolle Texte verfassen. Die kreativen Kapazitäten, die man mit dem Storytelling vermittelt, fließen automatische in das Schreiben ein.

Warum funktioniert das Storytelling so gut? Unsere Gehirne sind festverdrahtet für Geschichten! Geschichten folgen meist einer Struktur, sowohl grammatikalisch als auch inhaltlich. Dies macht sie leicht wieder abrufbar.

Storytelling hilft zudem, Fakten zu emotionalisieren. Eine weitere Hilfestellung, damit diese besser im Gedächtnis hängen bleiben. Geschichten präsentieren uns also strukturierte, logische, herausfordernde, komplizierte und emotionale Konzepte in zugänglichem und verdaulichem Rahmen.